Die Macht der Frau

© Stella Stejskal
© Stella Stejskal

"Die Macht der Frau ist das Begehren des Mannes. (…) Der begehrende Mann ist nicht mehr zurechnungsfähig", schreibt Herr Köppel in einem umstrittenen Editorial der Weltwoche. Die Frau schöpfe über das Begehren des Mannes an Selbstwert: "Frauen wollen, ja sie müssen begehrt werden", und zwar ohne dazu groß etwas beizutragen. Sie wurden von Natur aus mit einer reizvollen Physis versehen, welche seit Adam und Eva dazu bestimmt sei, den Mann in Versuchung zu führen. Aus dieser Perspektive weitergedacht, muss der bemitleidenswerte Mann unbedingt vor der Macht des weiblichen Körpers geschützt werden.

 

Ob Herr Köppel deshalb in die Politik wollte? Damit er sie wegsperren kann, diese lasziven Weibsbilder, zurück ins Schlafzimmer, in die Küche oder irgendwohin wo sie dem männlichen Drang nach Geltung nicht länger irritierend im Weg stehen? Bahn frei, damit Mann sich noch besser ins Burn-Out arbeiten kann, denn irgendjemand muss schließlich Heim und Herd für die liebe Familie finanzieren, sowie all die anderen netten Kleinigkeiten, die zwar kein Mensch wirklich braucht, die aber die Wirtschaft am Laufen halten. Das ist wichtig, geht es nämlich der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut, den begehrenden Männern und den begehrenswerten Frauen (den Zwangsarbeitern auf der anderen Seite des (Staats-)Kapitalismus vielleicht ein bissl weniger, aber wer fragt schon nach denen ...). Der weibliche Körper als Konsumprodukt muss freilich erhalten bleiben, was keinen Widerspruch darstellt, sondern eine logische Konsequenz. 

 

Wie ist das nun, wenn eine dieser bösartig ihre Reize ausspielenden Frauen ihrerseits einen Mann begehrt? Diese liederliche Schlampe, die!  

Derartige Männer,  also jene die im Rausch subtil verbreiteter, weiblicher Lockstoffe hilflos taumeln und ergo in ihrer daraus resultierenden Unzurechnungsfähigkeit den eigenen Trieben zum Opfer fallen, nennt man übrigens Frauenheld.  

 

Wie Kant das wohl meinte, als er fand der Mensch würde sich durch seinen Willen auszeichnen, der es ihm ermögliche autonom und souverän zu entscheiden, über sein Handeln nachzudenken und seine Ratio zu gebrauchen? 

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Kommentare: 4
  • #1

    endolex (Montag, 11 April 2016 16:25)

    Köppels Argumentation bis zuende folgend müssten alle solch hilflos und unzurechnungsfähig gewordenen Männer glatt entmündigt und nur in Begleitung einer weiblichen Aufsichtsperson außer Haus gelassen werden. Die Welt wäre dann vielleicht tatsächlich eine bessere?

  • #2

    Stella (Montag, 11 April 2016 18:40)

    Ja, vielleicht. Wollen wir eine dahingehende Volksinitiative starten? - es gab schon deutlich blödere ...

  • #3

    endolex (Montag, 11 April 2016 20:07)

    Grundsätzlich gern, muss ich mich nur erst einbürgern lassen - kann ein Weilchen dauern!

  • #4

    Stella (Dienstag, 12 April 2016 11:13)

    Ach herrje, da kann dauern … schneller geht’s nur für gute Fussballspieler (http://www.swissinfo.ch/ger/brasilien-2014_-gute-migranten---das-glueck-des-schweizer-fussballs/38813086), also solche die sich zur lebende Werbesäule eignen, wobei Sepp Blatter im Moment keine Bewerbungen entgegennimmt. Andere Beschleunigungsmöglichkeiten zum Schweizer Pass wären noch Geld und Ruhm, es gibt da so einen Gruppierung namhafter Steuerflüchtlinge mit Schweizer Bürgerrecht …